Verschneite Bergdörfer, warme Lichter in alten Bauernhäusern, geschnitzte Masken, Laternen, Krippen und Tannenzweige: Weihnachten in den Alpen bietet unglaublich viele Motive zum Ausmalen.
Doch hinter manchen Dingen, die auf einem Weihnachtsbild einfach schön oder geheimnisvoll aussehen, steckt viel mehr.
Warum ziehen im Advent furchteinflößende Gestalten mit Glocken durch die Straßen? Weshalb werden Anfang Dezember kahle Zweige ins Haus geholt? Was hat es mit dem Räuchern in den Rauhnächten auf sich – und was bedeutet eigentlich das Kreidezeichen der Sternsinger an einer Haustür?
Wer die Geschichten hinter solchen Motiven kennt, entdeckt beim Ausmalen plötzlich ganz neue Details.
Wir nehmen dich deshalb mit in die winterliche Bergwelt und schauen uns einige der Bräuche und Traditionen an, die Weihnachten im Alpenraum so besonders machen.
Nikolaus und Krampus – zwei ganz unterschiedliche Gestalten
Der Nikolaus gehört zu den bekanntesten Figuren der Adventszeit. Sein Vorbild ist der heilige Nikolaus von Myra. In vielen Regionen Österreichs kommt er rund um den 6. Dezember zu den Kindern und bringt traditionell kleine Gaben wie Nüsse oder Süßigkeiten.
Deutlich wilder sieht sein Begleiter aus: der Krampus.
Fell, Hörner, geschnitzte Masken und schwere Glocken machen ihn zu einer ziemlich beeindruckenden Erscheinung. Besonders in Österreich und anderen Teilen des Alpenraums finden rund um den 5. Dezember Krampusläufe statt. Die konkrete Ausgestaltung des Brauchs unterscheidet sich allerdings von Region zu Region.
Für ein Ausmalmotiv sind diese Gegensätze natürlich spannend: auf der einen Seite der ruhige Nikolaus, auf der anderen Seite Fell, Holzmasken, Hörner und Glocken.
Krampus oder Percht – ist das nicht dasselbe?
Auf den ersten Blick kann man Krampusse und Perchten leicht verwechseln. Beide können mit aufwendig geschnitzten Masken, Fellen und Glocken auftreten.
Traditionell gehören sie jedoch zu unterschiedlichen Bräuchen.
Der Krampus ist eng mit dem Nikolaustag Anfang Dezember verbunden. Perchten treten dagegen besonders im Umfeld der winterlichen Rauhnächte auf. Je nach Region gibt es dabei wiederum ganz unterschiedliche Figuren und Traditionen.
Beim Ausmalen lohnt sich deshalb ein zweiter Blick: Eine wilde Gestalt mit Maske und Fell muss nicht automatisch ein Krampus sein.
Die Rauhnächte – geheimnisvolle Tage zwischen den Jahren
Kaum eine Zeit ist mit so vielen Erzählungen und alten Vorstellungen verbunden wie die Rauhnächte.
Als Rauhnächte werden heute meist die Nächte rund um den Jahreswechsel bis zum Dreikönigstag bezeichnet, wobei Anzahl und genaue Termine regional unterschiedlich sein können.
Eine Tradition, die sich besonders im ländlichen Raum erhalten hat, ist das Räuchern von Haus und Stall. Dabei werden Räume mit Rauch und duftenden Kräutern oder Harzen durchzogen. Mit dem Brauch verbanden sich Vorstellungen von Schutz und Reinigung für Menschen, Tiere und Haus.
So bekommt auch eine einfache Räucherpfanne in einer winterlichen Szene plötzlich eine ganz andere Bedeutung.
Barbarazweige – Blüten mitten im Winter
Am 4. Dezember, dem Gedenktag der heiligen Barbara, werden traditionell Zweige von Obstbäumen geschnitten und ins Haus gestellt.
Mit etwas Glück öffnen sich ihre Blüten bis Weihnachten.
Blühende Zweige mitten im Winter wurden mit Hoffnung und Glück verbunden. Traditionell werden dafür beispielsweise Kirschzweige verwendet.
Beim Ausmalen ist das ein besonders schöner Kontrast: draußen Schnee und kahle Natur – drinnen entstehen die ersten zarten Blüten.
Anklöpfler – wenn Maria und Josef von Haus zu Haus ziehen
Ein weniger überall bekannter, aber besonders schöner Adventsbrauch sind die Anklöpfler oder regional ähnlich bezeichnete Gruppen.
In einigen Tiroler Orten ziehen Menschen in kleinen Gruppen von Haus zu Haus. Als Hirten, Maria, Josef oder andere Figuren verkleidet, stellen sie mit Liedern die biblische Herbergssuche dar.
Tirol Werbung weist darauf hin, dass sich in diesem Brauch auch ältere Vorstellungen vom Vertreiben böser Naturgeister durch das Anklopfen wiederfinden.
Laternen, winterliche Bauernhäuser und Menschen auf dem Weg durch die Dunkelheit ergeben dabei nicht nur eine besondere Adventsstimmung – sie erzählen gleichzeitig eine Geschichte.
Krippen – kleine Welten voller Details
Weihnachtskrippen erzählen die Geschichte der Geburt Jesu mit Figuren und Landschaften. Im Alpenraum entwickelte sich daraus vielerorts eine ausgeprägte Krippenkultur.
Neben der Heiligen Familie finden sich Tiere, Hirten, Gebäude und oft Landschaften, die deutlich von der jeweiligen Region geprägt sind. Auch das Kripperlschauen, also das gemeinsame Betrachten kunstvoll gestalteter Krippen, gehört in Teilen Österreichs zur lebendigen Weihnachtstradition.
Für uns Ausmalfans sind solche Szenen natürlich ein kleines Paradies: Holz, Stoff, Tiere, Sterne, Berge und winzige Details bieten jede Menge Möglichkeiten für eigene Farben.
Strohsterne – aus einfachem Material wird Weihnachtsschmuck
Strohsterne gehören bis heute zu klassischem Weihnachts- und Christbaumschmuck.
Das natürliche Material passt wunderbar zu Holz, Tannengrün und einer eher traditionellen Weihnachtsdekoration. Österreich Werbung beschreibt das Basteln von Strohsternen als Weihnachtstradition, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht und symbolisch an Krippe und Stern von Bethlehem erinnert.
Und gerade beim Ausmalen muss ein Strohstern übrigens keineswegs einfach nur gelb werden. Naturtöne, Licht und Schatten können selbst aus einem kleinen Detail einen richtigen Hingucker machen.
Adventsingen – Weihnachten kann man nicht nur sehen
Zur Weihnachtszeit gehören im Alpenraum nicht nur Bilder und Dekorationen, sondern auch Musik.
Gemeinsames Singen, adventliche Lieder und musikalische Veranstaltungen haben vielerorts ihren festen Platz. Ein bekanntes Beispiel ist das Salzburger Adventsingen, dessen Geschichte bis 1946 zurückreicht.
Kerzenlicht, eine kleine Kirche, Sängerinnen und Sänger oder eine Krippe schaffen eine ganz andere Stimmung als die wilden Masken eines Perchtenlaufs – und genau diese Gegensätze machen die alpine Weihnachtszeit so abwechslungsreich.
Christkindlmärkte – Licht, Handwerk und Weihnachtsduft
Weihnachts- und Christkindlmärkte gehören heute für viele Menschen fest zur Adventszeit.
Gerade historische Plätze, kleine Holzstände, traditionelles Handwerk, Lichter und alte Kirchen ergeben die typische Atmosphäre, die wir sofort mit Weihnachten verbinden. Weihnachtsmärkte haben dabei eine lange Geschichte; in Österreich prägen sie laut Österreich Werbung bereits seit Jahrhunderten die Adventszeit.
Für ein Ausmalbild steckt darin fast alles, was Spaß macht: winzige Marktstände, Lichterketten, Gebäude, Tannen, Dekorationen und Menschen.
Sternsinger – Stern und Kreidezeichen an der Haustür
Rund um den Dreikönigstag ziehen Sternsinger von Haus zu Haus. Traditionell erinnern ihre Gewänder und der mitgeführte Stern an die Heiligen Drei Könige.
Über den Haustüren hinterlassen sie häufig ein Kreidezeichen mit der jeweiligen Jahreszahl. Es ist ein Segenszeichen für das Haus und seine Bewohner.
Gerade solche kleinen Symbole sind beim Ausmalen schnell übersehen. Kennt man ihre Bedeutung, werden sie plötzlich zu einem wichtigen Teil des Bildes.
Warum Hintergrundwissen beim Ausmalen so schön sein kann
Natürlich musst du nicht wissen, woher jeder Gegenstand auf einem Ausmalbild stammt. Manchmal möchte man einfach die Stifte nehmen und abschalten.
Aber gerade traditionelle Motive können noch einmal interessanter werden, wenn man ihre Geschichte kennt.
Eine geschnitzte Maske ist dann nicht mehr einfach irgendeine gruselige Figur. Die Zweige in der Vase stehen nicht zufällig mitten im Winter in einem warmen Zimmer. Und Menschen mit Laternen auf dem Weg zu einer Kirche erzählen vielleicht eine viel größere Geschichte, als man auf den ersten Blick vermutet.
Ausmalen kann so auch ein kleines bisschen Entdecken sein.
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